Preis
Auszeichnung der Bezirksversammlung Hamburg-Mitte für Zivilgesellschaftliches Engagement
In Memoriam Esther Bejarano
Der mit 2.000 Euro dotierte Hauptpreis wurde in diesem Jahr an Holger Artus vergeben, der Förderpreis in Höhe von 500 Euro ging an die Initiative Omas gegen Rechts Hamburg-Süd.
Die Preisverleihung fand am 28. April 2026 im Metropolis Kino im Rahmen der Woche des Gedenkens Hamburg-Mitte statt.
Mit der Auszeichnung von Holger Artus würdigt die Bezirksversammlung sein langjähriges und unabhängiges Engagement in der lokalen Erinnerungsarbeit. Seine Arbeit setzt bewusst im unmittelbaren Lebensumfeld an – in Straßen und Stadtteilen, dort, wo Menschen während des Nationalsozialismus verfolgt, deportiert und ermordet wurden. Mit Nachbarschaftsbriefen, biografischen Recherchen, Stolperstein-Initiativen und Gedenkaktionen bringt er Geschichte zurück in den Alltag. Sein Ansatz ist niedrigschwellig, lokal verankert und macht deutlich, dass die Verbrechen des Nationalsozialismus nicht abstrakt sind, sondern mitten in unserer Gesellschaft stattgefunden haben. Ein besonderer Fokus seiner Arbeit liegt auf bislang wenig beachteten Opfergruppen, darunter die verfolgten und ermordeten Sinti und Roma sowie die italienischen Militärinternierten, die in Hamburg als Zwangsarbeiter ausgebeutet wurden. Holger Artus wird dafür ausgezeichnet, dass er ihre Geschichten sichtbar macht – differenziert, respektvoll und im Austausch mit den betroffenen Gemeinschaften.
Mit dem Förderpreis wurden die Omas gegen Rechts Hamburg-Süd geehrt. Die Initiative engagiert sich in der Gedenkarbeit und verbindet diese mit einem klaren Einsatz gegen Antisemitismus, Rassismus und jede Form von Menschenfeindlichkeit. Mit Veranstaltungen, Mahnwachen und Bildungsangeboten – insbesondere für junge Menschen – schaffen sie Räume für Auseinandersetzung und Haltung. Sie bringen historische Themen in Schulen, Stadtteile und an Orte der Verfolgung und stellen dabei stets die Frage nach der Bedeutung für die Gegenwart.
Mit dem Förderpreis wurde die Umsetzung einer Veranstaltung am 8. Mai zur nationalsozialistischen „Euthanasie“ im ehemaligen Kinderkrankenhaus Rothenburgsort unterstützt. In Vorträgen und einer anschließenden Diskussion wurde dabei auch der Bogen zur Gegenwart geschlagen, insbesondere mit Blick auf aktuelle rechte Positionen zum Thema Menschen mit Behinderung.
Einen Sonderpreis erhielten die Schülerinnen Luise Gadatsch, Jenja Jäger und Liska Magiera für ihr im Rahmen einer Projektwoche entstandenes Bilderbuch, das Grundschulkindern auf spielerische und lebensnahe Weise vermittelt, was Demokratie bedeutet und warum sie wichtig ist. Mit Alltagssituationen, farbenfrohen Illustrationen und einem kindgerechten Design schafft das Buch einen niedrigschwelligen Zugang zum Thema, ohne belehrend zu wirken. Mit dem Sonderpreis werden die Druckkosten für eine kleine Auflage finanziert, damit das Bilderbuch einem größeren Publikum zugänglich gemacht werden kann.
Die Preisverleihung wurde musikalisch begleitet von der Sängerin Narin Bozkurt aus Wilhelmsburg, durch den Abend führte der Moderator Feridun Öztoprak.
DER JURY DES PREISES "VERANTWORTUNG - DAMALS UND HEUTE" 2026:
· JORAM BEJARANO
· CHRISTOPH BEHRENS, LANDESINSTITUT FÜR LEHRERBILDUNG, BERTINI-PREIS
· PROF. DR. DR. RAINER HERING, HISTORIKER UND ARCHIVAR
· BARBARA HÜSING, VEREINIGUNG KINDER VOM BULLENHUSER DAMM E.V.
· CARINA OESTREICH, VORSITZENDE DER BEZIRKSVERSAMMLUNG HAMBURG-MITTE
· ÖZLEM NAS, ISLAMISCHES WISSENSCHAFTS- UND BILDUNGSINSTITUT E.V., BEAUFTRAGTE
GEGEN ANTIMUSLIMISCHEN RASSISMUS DER SCHURA HAMBURG