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Schulprojekt zur Woche des Gedenkens Hamburg-Mitte

Familiengeschichten aus der NS-Zeit.
Ein Interview mit Ulrich Gantz

Di. 03.11.20 11:00 Uhr

Hamburg

 

Der Vater, Helmuth Gantz, war sehr früh schon NSDAP- und Sturmabteilungs-Mitglied. Als Polizist wurde er bei Kriegsbeginn Hauptmann und Chef der 2. Kompanie des Reservepolizeibataillon 9. Diese war 1941/42 als Teil der Einsatzgruppe B an Erschießungen von Juden und Partisanen im Raum Minsk/Smolensk beteiligt. Erst mit dem Tod des Vaters 2002 bekam Ulrich Gantz Klarheit darüber, was er bis dahin stets geahnt hatte. Eine Plastiktüte mit Dokumenten, Schriftstücken, Fotos usw. aus dem Nachlass enthielt unter anderem den Beschluss des Landgerichts Kiel, vor dem sein Vater sich 1961 wegen Mordes verantworten musste. Zu einer Verurteilung kam es wegen »mangelnden Beweises« jedoch nicht. Die Ermittlungen wurden wieder aufgenommen, aber 1966 endgültig eingestellt.

Das Interview wurde von den Schüler*innen Malyn Borovicka, Julienne Brüggmann, Emma Hansen, Laird Khan und Chiara Möller der Klosterschule Hamburg durchgeführt und geschnitten. Die Interviews sind in Kooperation mit der Zentralbibliothek der Bücherhallen Hamburg und der Vereinigung Kinder vom Bullenhuser Damm e.V. entstanden.

Die Kriegsvergangenheit zeigt auch heute noch in vielen Familien Spuren, bis in die 2., 3. und 4. Generation hinein. Die Autorin Sabine Bode (»Kriegsenkel«) beschreibt dies so: »Es gibt in Deutschland keine Familie, an der der Krieg und die NS-Zeit spurlos vorbeigegangen sind. Der größte Teil der Bevölkerung will das auf sich beruhen lassen. Man sagt: Wir wollen an die alten Familiengeschichten nicht mehr denken und was damals in Deutschland geschah, ist uns ja nun hinreichend bekannt. In der Schule mussten wir uns bis zum Überdruss damit befassen. Es fehlt nicht an Fakten. Mag sein. Was aber sicher fehlt, ist ein Verständnis für die Auswirkungen dieser Vergangenheit. Was bedeutet diese Erbschaft für unsere persönliche Identität, für unsere Familienidentität und letztlich auch für unsere gesellschaftliche Identität?«

Die Gesprächspartner*innen der Hamburger Schüler*innen waren Zeitzeug*innen sowie Angehörige mit unterschiedlichen Familienbiografien aus Hamburg (Familien von NS-Tätern, Verfolgten, jüdischen Familien, Widerständler). Die einzelnen Interviews können auch im Schulunterricht eingesetzt werden.

 

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Di 03.11.20

11:00 Uhr

Hamburg

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